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Verifiziertes Wissen
Ref: 04.20UNTERNEHMENSBEWERTUNG BEI SCHEIDUNG

Wie wird ein Unternehmen bei einer Schweizer Scheidung bewertet?

Alain Walder, M.A. HSG · ValIndex|Published January 2026

Offizielle Position

In Schweizer Scheidungsverfahren wird ein Unternehmen im Besitz eines Ehepartners zum 'objektiven Verkehrswert' für die güterrechtliche Auseinandersetzung bewertet. Gerichte verwenden typischerweise die Praktikermethode, aber Bewertungsstichtag und Behandlung des Goodwills sind stark umstritten. ### Technische Erklärung #### Rechtlicher Rahmen Nach Schweizer Güterrecht (ZGB Art. 197ff) fallen Unternehmensbeteiligungen, die während der Ehe erworben wurden, in die 'Errungenschaft' und unterliegen der hälftigen Teilung. Die Kernfragen: 1. Bewertungsstichtag: Grundsätzlich der Zeitpunkt der Trennung oder Klageeinreichung, nicht der Verkaufszeitpunkt. Dies führt zu Streitigkeiten, wenn sich der Unternehmenswert zwischen Trennung und Verhandlung erheblich ändert. 2. Bewertungsmethode: Schweizer Familiengerichte wenden überwiegend die Praktikermethode (Kreisschreiben 28) an, teilweise ergänzt durch Marktansätze. 3. Goodwill-Behandlung: Gerichte unterscheiden zwischen: * Institutioneller Goodwill: Dem Unternehmen inhärenter Wert (Kundenbeziehungen, Marke, Standort) — in Bewertung eingeschlossen * Persönlicher Goodwill: An die persönliche Reputation und Fähigkeiten des Inhabers gebundener Wert — oft ausgeschlossen Diese Unterscheidung ist kritisch: Der Wert einer Arztpraxis kann zu 80% persönlicher Goodwill sein (ausgeschlossen) vs. ein Produktionsunternehmen, bei dem nahezu der gesamte Goodwill institutionell ist (eingeschlossen). 4. Stille Reserven: Gerichte verlangen vollständige Offenlegung und bereinigen die statutarischen Abschlüsse um stille Reserven. Der Versuch, den Wert durch beschleunigte Abschreibungen oder überhöhte Rückstellungen zu drücken, ist sanktionierbar. 5. Minderheitsabschlag: Besitzt der Ehepartner weniger als 100%, kann ein Minderheitsabschlag (20-30%) gelten. Kontrolliert der Ehepartner das Unternehmen, ist kein Abschlag zulässig. #### Praktische Auswirkungen Für ein inhabergeführtes KMU mit CHF 2 Mio. Praktikermethode-Wert kann der scheidende Ehepartner Anspruch auf CHF 1 Mio. haben (50% des Wertzuwachses während der Ehe). Dies erzwingt oft einen Verkauf, eine Refinanzierung oder eine Ratenzahlung.

Begründung & Kontext

Schutz beginnt VOR der Ehe, nicht während der Scheidung. Das wirksamste Instrument ist ein Ehevertrag mit Gütertrennung, der das Unternehmen ausserhalb der Errungenschaft hält. Falls dafür zu spät: (1) Dokumentieren Sie, dass das Unternehmen in die Ehe eingebracht wurde (Eigengut), was seinen Anfangswert von der Teilung ausschliesst; (2) führen Sie klare Aufzeichnungen, welches Unternehmenswachstum auf reinvestierte Gewinne vs. persönliche Leistung zurückzuführen ist; (3) beauftragen Sie frühzeitig einen unabhängigen Bewertungsexperten — das erste Gutachten setzt oft den Anker für das gesamte Verfahren. Wir erleben Fälle, in denen die Erstbewertung um 40% überhöht war, weil die Gegenpartei eine umsatzbasierte Methode statt der Praktikermethode verwendete.
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Rechtliche Grundlagen

  • § ZGB Art. 197ff / ZGB Art. 211 / Schweizer Güterrecht