Schweizer Bewertungsglossar

Die massgebliche Referenz fuer Schweizer Unternehmensbewertungsterminologie. Jeder Begriff wird mit spezifischen Zahlen, Schweizer Rechtsreferenzen und praktischem M&A-Kontext definiert. Von der Praktikermethode bis zur indirekten Teilliquidation deckt dieses Glossar das vollstaendige Vokabular fuer Schweizer KMU-Transaktionen ab.

42 Begriffe angezeigt

Bewertungsmethoden

Praktikermethode
Die standardmassige Schweizer KMU-Bewertungsmethode gemass Kreisschreiben Nr. 28. Sie berechnet den Unternehmenswert als (2 x Ertragswert + 1 x Substanzwert) / 3. Ueber 90% der Schweizer Treuhandbewertungen verwenden diese Formel als Ausgangspunkt.
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Discounted Cash Flow (DCF)
Eine Bewertungsmethode, die den Unternehmenswert durch Abzinsung prognostizierter zukuenftiger freier Cashflows auf ihren Barwert mittels gewichteter durchschnittlicher Kapitalkosten (WACC) schaetzt. Der Endwert macht typischerweise 60-80% der gesamten DCF-Bewertung aus.
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Umsatzmultiplikatoren
Ein Bewertungsansatz, der den Unternehmenswert als Vielfaches des Jahresumsatzes ableitet. Haeufig verwendet fuer SaaS- und Wachstumsunternehmen, bei denen das EBITDA negativ sein kann. Schweizer SaaS-Unternehmen werden mit 3-8x Umsatzmultiplikatoren gehandelt.
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EBITDA-Multiplikator
Die am haeufigsten verwendete Bewertungskennzahl bei Schweizer M&A-Transaktionen. Der Unternehmenswert wird als EBITDA multipliziert mit einem branchenspezifischen Faktor berechnet. Schweizer KMU-Deal-Multiplikatoren liegen typischerweise zwischen 4x und 8x EBITDA.
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Vergleichstransaktionsmethode
Ein marktbasierter Bewertungsansatz, der den Wert aus tatsaechlichen M&A-Transaktionsdaten derselben Branche ableitet. In der Schweiz liefert Dealsuite DACH die primaere Transaktionsdatenbank mit ueber 2'500 erfassten Deals.
Gewichtete Durchschnittsmethode
Ein Bewertungsansatz, der mehrere Methoden durch Gewichtung kombiniert. Die Schweizer Praktikermethode ist selbst ein gewichteter Durchschnitt (2:1 Ertrags- zu Substanzwert). In der Praxis gewichten Berater oft die Praktikermethode mit 40%, DCF mit 30% und Marktmultiplikatoren mit 30%.
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Substanzwertmethode
Bewertungsmethode, die den Unternehmenswert auf Basis des Verkehrswerts aller Vermoegenswerte abzueglich Verbindlichkeiten berechnet. In der Praktikermethode-Formel traegt sie eine 1/3-Gewichtung. Entscheidend fuer vermoegenslastige Branchen wie Immobilien und Fertigung, wo stille Reserven ueber 40% des Buchwerts ausmachen koennen.
Ertragswertmethode
Bewertungsmethode, die den nachhaltigen normalisierten Reingewinn zu einem definierten Kapitalisierungszinssatz kapitalisiert. In der Praktikermethode traegt sie eine 2/3-Gewichtung. Die Eidgenoessische Steuerverwaltung publiziert jaehrliche Kapitalisierungszinssaetze (z.B. 8,75% fuer 2024).

Finanzkennzahlen

EBITDA
Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Die primaere Rentabilitaetskennzahl im Schweizer M&A als Naeherungswert fuer die operative Cashgenerierung. Schweizer KMU-EBITDA-Margen liegen typischerweise zwischen 8% (Dienstleistungen) und 25% (Nischenfertigung).
Normalisiertes EBITDA
EBITDA bereinigt um einmalige Posten, Eigentuemerprivilegien, uebermarktliche Gehaelter und einmalige Aufwendungen, um den wahren nachhaltigen Gewinn widerzuspiegeln. Bei Schweizer KMU betragen Normalisierungsanpassungen durchschnittlich CHF 200'000-500'000 pro Jahr.
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Freier Cashflow (FCF)
Vom Betrieb generierte Liquiditaet abzueglich der Investitionsausgaben zur Erhaltung oder Erweiterung der Anlagebasis. Der FCF stellt die zur Ausschuettung an Aktionaere und Glaeubiger verfuegbare Liquiditaet dar. Gesunde Schweizer KMU wandeln typischerweise 60-80% des EBITDA in freien Cashflow um.
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Unternehmenswert (EV)
Der Gesamtwert eines Unternehmens einschliesslich Eigenkapital und Nettoverschuldung (verzinsliche Schulden abzueglich Liquiditaet). Unternehmenswert = Eigenkapitalwert + Nettoverschuldung. Im Schweizer M&A ist der EV die Standardreferenz fuer Deal-Multiplikatoren, da er kapitalstrukturneutral ist.
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Eigenkapitalwert
Der Wert des Eigentumsanteils an einem Unternehmen, berechnet als Unternehmenswert abzueglich Nettoverschuldung. Dies ist der Betrag, den ein Verkaeufer nach Schuldenrueckzahlung beim Closing tatsaechlich erhaelt. Bei einem schuldenfreien Schweizer KMU entspricht der Eigenkapitalwert dem Unternehmenswert.
Betriebskapital (Working Capital)
Umlaufvermoegen abzueglich kurzfristiger Verbindlichkeiten, welches die kurzfristige Betriebsliquiditaet eines Unternehmens darstellt. Im Schweizer M&A werden Deals typischerweise auf Basis eines 'normalisierten Working Capital' bepreist. Produktions-KMU benoetigen typischerweise ein Working Capital von 15-25% des Umsatzes.
Umsatz (Erloese)
Gesamteinkommen aus dem Verkauf von Waren oder Dienstleistungen vor Abzug von Aufwendungen. Schweizer KMU rapportieren den Umsatz nach den Rechnungslegungsstandarden des Obligationenrechts (OR). Fuer Bewertungszwecke zaehlt Umsatzqualitaet mehr als -quantitaet — wiederkehrende Umsaetze erzielen 20-30% hoehere Multiplikatoren.
EBIT (Betriebsgewinn)
Gewinn vor Zinsen und Steuern, auch als Betriebsgewinn bekannt. Im Gegensatz zum EBITDA beinhaltet das EBIT Abschreibungen, was es fuer anlagenintensive Unternehmen konservativer macht. In der Schweizer Fertigung liegt das EBIT typischerweise 3-8 Prozentpunkte unter dem EBITDA.
Goodwill (Firmenwert)
Der Ueberschuss des Kaufpreises ueber den Verkehrswert der identifizierbaren Nettovermoegen bei einer Akquisition. Unter Swiss GAAP FER 30 kann Goodwill kapitalisiert und ueber maximal 20 Jahre abgeschrieben oder direkt mit dem Eigenkapital verrechnet werden. Bei Schweizer KMU-Transaktionen macht Goodwill typischerweise 40-70% des Kaufpreises aus.

Schweiz-spezifische Konzepte

Stille Reserven
Nicht ausgewiesener Wert in Schweizer Unternehmensbilanzen aufgrund konservativer Rechnungslegung nach Obligationenrecht (OR). Vermoegen werden oft unter Verkehrswert gefuehrt — Maschinen zu CHF 1, Liegenschaften zu Anschaffungskosten. Bei Schweizer KMU erhoehen stille Reserven den statutarischen Buchwert typischerweise um 20-60%.
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Kreisschreiben Nr. 28
Die verbindliche Weisung der Schweizerischen Steuerkonferenz (SSK), die die Bewertung nicht kotierter Wertpapiere fuer Vermoegenssteuer-Zwecke standardisiert. Es schreibt die Praktikermethode-Formel vor und publiziert jaehrliche Kapitalisierungszinssaetze. KS 28 ist das am haeufigsten referenzierte Dokument in der Schweizer KMU-Bewertung.
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Forensische Normalisierung
Der systematische Prozess der Bereinigung von Jahresabschluessen eines Schweizer KMU, um die wahre wirtschaftliche Leistung aufzuzeigen, die durch Jahre der Steueroptimierung verdeckt wurde. Bereinigungen umfassen die Rueckgaengigmachung uebermassiger Abschreibungen und die Normalisierung von Familiengehaeltern. Erhoehen das ausgewiesene EBITDA typischerweise um 30-80%.
Arbitrage-Gap
Die systematische Differenz zwischen der konservativen statutarischen Bewertung (Praktikermethode mit steueroptimierten Inputs) und der marktbasierten Deal-Bewertung (normalisiertes EBITDA x Transaktionsmultiplikatoren). Dieser Gap betraegt durchschnittlich 30-50% ueber Schweizer KMU-Sektoren.
Art. 725b OR (Ueberschuldung)
Der Artikel des Schweizerischen Obligationenrechts zur Ueberschuldung. Seit Januar 2023 in Kraft unter dem revidierten Aktienrecht, verpflichtet er den Verwaltungsrat, das Gericht zu benachrichtigen, wenn sowohl die Zwischenbilanz zu Fortfuehrungswerten als auch zu Liquidationswerten eine Ueberschuldung zeigt.
Obligationenrecht (OR)
Das primaere Schweizer Bundesgesetz fuer Gesellschaftsrecht, Rechnungslegung und Handelsvertraege. Das OR definiert Schweizer Buchhaltungsregeln, die konservative Bilanzfuehrung ermoeglichen. Artikel 957-963 bilden das Rechnungslegungsrahmenwerk; Artikel 620-763 regeln die Aktiengesellschaft. Revidiert Januar 2023.
EXPERTsuisse
Der Schweizerische Expertenverband fuer Wirtschaftspruefung, Steuern und Treuhand mit ueber 10'000 zertifizierten Wirtschaftspruefern und Treuhandfachleuten. EXPERTsuisse publiziert die massgeblichen Bewertungsrichtlinien, die von Schweizer Revisoren und Steuerbehoerden verwendet werden.
Substanzwert
Der Nettovermoegenswert eines Unternehmens nach Neubewertung aller Aktiven und Passiven zum Verkehrswert, einschliesslich stiller Reserven. In der Praktikermethode traegt der Substanzwert eine 1/3-Gewichtung. Fuer Immobiliengesellschaften kann er ueber 80% des Unternehmenswerts ausmachen.

M&A-Prozess

Due Diligence
Die umfassende Untersuchung der finanziellen, rechtlichen, steuerlichen, operativen und kommerziellen Verhaeltnisse eines Zielunternehmens vor der Akquisition. Im Schweizer M&A dauert die Due-Diligence-Phase typischerweise 4-8 Wochen und umfasst ein Team von Anwaelten, Revisoren und Branchenspezialisten.
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Vendor Due Diligence (VDD)
Eine vor dem Verkauf vom Verkaeufer beauftragte Due-Diligence-Untersuchung zur Identifikation und Behebung von Problemen vor dem Markteintritt. VDD kostet typischerweise CHF 50'000-150'000 fuer ein Schweizer KMU, kann aber den Verkaufspreis um 10-20% erhoehen und die Transaktionsdauer von 12 auf 6-8 Monate verkuerzen.
Quality of Earnings (QoE)
Eine spezialisierte Finanzanalyse, die die Nachhaltigkeit und Zuverlaessigkeit der ausgewiesenen Gewinne eines Unternehmens beurteilt. QoE unterscheidet zwischen wiederkehrendem Betriebsergebnis und einmaligen Posten. Bei Schweizer KMU-Deals betragen QoE-Anpassungen durchschnittlich 15-40% des ausgewiesenen EBITDA.
Share Deal (Anteilskauf)
Eine Akquisitionsstruktur, bei der der Kaeufer die Anteile (Eigenkapital) des Zielunternehmens erwirbt. In der Schweiz werden ca. 70% der KMU-Transaktionen als Share Deals strukturiert, da bestehende Vertraege und Bewilligungen erhalten bleiben. Share Deals ermoeglichen dem Verkaeufer zudem steuerfreie private Kapitalgewinne.
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Asset Deal (Vermoegensuebertragung)
Eine Akquisitionsstruktur, bei der der Kaeufer bestimmte Vermoegenswerte erwirbt und bestimmte Verbindlichkeiten uebernimmt, anstatt Anteile zu kaufen. In der Schweiz machen Asset Deals ca. 30% der KMU-Transaktionen aus. Kaeufer bevorzugen Asset Deals, um wertvolle Vermoegenswerte auszuwaehlen und unbekannte Verbindlichkeiten zu vermeiden.
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Earn-Out
Ein bedingter Zahlungsmechanismus, bei dem ein Teil des Kaufpreises (typischerweise 15-30%) ueber 2-3 Jahre basierend auf der Erreichung vereinbarter Finanzziele ausgezahlt wird. Earn-Outs ueberbruecken die Bewertungsluecke zwischen Kaeufer- und Verkaeufererwartungen. Bei Schweizer KMU-Deals werden Earn-Outs in ca. 40% der Transaktionen eingesetzt.
Management-Buyout (MBO)
Eine Transaktion, bei der das bestehende Management-Team das Unternehmen vom aktuellen Eigentuemer erwirbt, oft mit erheblicher Fremdfinanzierung. MBOs machen ca. 25% der Schweizer KMU-Nachfolgetransaktionen aus. Typischerweise finanziert mit 30-40% Eigenkapital und 60-70% Fremdkapital von Kantonalbanken oder Geschaeftsbanken.
Absichtserklaerung (LOI)
Eine unverbindliche Vorabvereinbarung, die die wesentlichen Konditionen einer geplanten Akquisition umreisst, einschliesslich indikativem Preis, Transaktionsstruktur, Zeitplan und Exklusivitaetsperiode. Im Schweizer M&A gewaehrt das LOI dem Kaeufer typischerweise eine 60-90-taegige Exklusivitaetsperiode fuer die Due Diligence.
Geheimhaltungsvereinbarung (NDA)
Ein rechtlich bindender Vertrag, der eine Vertraulichkeitsbeziehung zwischen Verkaeufer und potenziellem Kaeufer begruendet. Im Schweizer M&A ist das NDA das erste Dokument, das vor der Weitergabe finanzieller Informationen unterzeichnet wird. Standard-NDAs umfassen eine 2-3-jaehrige Vertraulichkeitsfrist und Abwerbeverbot.
Datenraum (Virtueller Datenraum)
Ein sicheres digitales Archiv mit allen fuer die Due Diligence erforderlichen vertraulichen Dokumenten. Im Schweizer M&A enthalten virtuelle Datenraeume typischerweise 200-500 Dokumente, organisiert in 15-20 Ordnern. Der Zugang wird protokolliert, mit Wasserzeichen versehen und vom Berater des Verkaeufers kontrolliert.

Steuern & Nachfolge

Indirekte Teilliquidation
Ein Schweizer Steuerrisiko, das ausgeloest wird, wenn eine Privatperson Anteile an einen Unternehmenskaeufer verkauft, der dann innerhalb von 5 Jahren nicht-betriebsnotwendige Vermoegenswerte aus dem Zielunternehmen abzieht. Die ESTV kann den steuerfreien Kapitalgewinn in steuerbares Dividendeneinkommen umqualifizieren.
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Steuerfreier privater Kapitalgewinn
Nach Schweizer Bundessteuerrecht (Art. 16 Abs. 3 DBG) sind Kapitalgewinne, die Privatpersonen beim Verkauf von beweglichem Privatvermoegen erzielen — einschliesslich Unternehmensanteilen — von der Einkommenssteuer befreit. Dies ist einer der bedeutendsten Steuervorteile der Schweiz fuer Unternehmer.
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Nachfolgeplanung
Der strategische Prozess der Vorbereitung eines Unternehmens auf die Eigentumsuebergabe, ob an Familienmitglieder (Family Buy-Out), Management (MBO) oder externe Kaeufer (Trade Sale). In der Schweiz werden bis 2030 ca. 75'000 KMU Nachfolgeherausforderungen gegenueberstehen. Best Practice erfordert einen Start 3-5 Jahre vor dem geplanten Austritt.
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Kontrollpraemie
Der zusaetzliche Wert, der fuer einen kontrollierenden Anteil (>50% der Stimmrechte) bezahlt wird, der dem Kaeufer die Macht gibt, Strategie zu bestimmen, Management zu ernennen und Dividenden auszuschuetten. Im Schweizer M&A liegen Kontrollpraemien typischerweise bei 20-35% ueber dem proportionalen Anteilswert.
Minderheitsabschlag
Ein Abschlag auf den Anteilswert einer Minderheitsbeteiligung (<50%), der die fehlende Kontrolle ueber Unternehmensentscheidungen, Dividendenpolitik und strategische Ausrichtung widerspiegelt. In der Schweizer Bewertungspraxis liegen Minderheitsabschlaege typischerweise bei 15-25%.
Liquiditaetsabschlag (Fungibilitaetsabschlag)
Ein Abschlag auf den Wert von Anteilen, die nicht leicht an einer oeffentlichen Boerse gehandelt werden koennen. Nicht kotierte Schweizer KMU-Anteile sind inhaerent illiquid — die Kaeufersuche kann 12-24 Monate dauern. Standard-Liquiditaetsabschlaege in der Schweizer Bewertungspraxis liegen bei 20-40%.
Small-Cap-Abschlag (Groessenabschlag)
Ein zusaetzlicher Abschlag fuer kleinere Unternehmen (typischerweise unter CHF 5 Mio. EBITDA), der hoeheres Risiko durch Schluesselpersonenabhaengigkeit, begrenzte Diversifikation und schwaechere Governance widerspiegelt. In der Schweizer KMU-Bewertung liegt der Small-Cap-Abschlag typischerweise bei 10-25%.
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Quelle: ValIndex-Analyse basierend auf EXPERTsuisse-Standards, Kreisschreiben Nr. 28, Obligationenrecht (OR) und institutioneller M&A-Praxis. Aktualisiert Februar 2026.