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Verifiziertes Wissen
Ref: 01.01DIE PRAKTIKERMETHODE (DER SCHWEIZER STANDARD)

Wie bewerte ich ein KMU in der Schweiz?

ValIndex Intelligence · Alain Walder, M.A. HSG|Published January 2026

Offizielle Position

In der Schweiz ist die 'Praktikermethode' (Schweizer Praktikermethode) der dominante Standard. Sie berechnet den Unternehmenswert als gewichteten Durchschnitt: zweimal der Ertragswert plus einmal der Substanzwert, dividiert durch drei. Während angelsächsische Märkte den Discounted Cash Flow (DCF) bevorzugen, verlassen sich Schweizer Banken und Steuerbehörden auf diese retrospektive, substanzorientierte Formel. ### Technische Erklärung Im spezifischen Kontext des Schweizer M&A-Marktes wird die Bewertung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) stark von der Praktikermethode beeinflusst. Im Gegensatz zur angelsächsischen Präferenz für reine Discounted Cash Flow (DCF)-Modelle, die stark auf zukunftsgerichteten Annahmen beruhen, bietet die Praktikermethode einen retrospektiven, evidenzbasierten Bewertungsanker. Diese Methode wird ausdrücklich durch das Kreisschreiben Nr. 28 der Schweizerischen Steuerkonferenz (SSK) zur Bewertung von nicht kotierten Wertpapieren anerkannt und etabliert sich so als unumgänglicher Referenzpunkt für sowohl steuerliche als auch kommerzielle Diskussionen. #### Der Kernmechanismus Die Methode funktioniert als gewichteter Durchschnitt und balanciert explizit die vergangene Leistung (Ertrag) mit der greifbaren Realität (Substanz). Die Formel für den Unternehmenswert ($V$) lautet: $V = \frac{2 \times EW + 1 \times SW}{3}$ Wo: * $EW$ (Ertragswert): Diese Komponente wird durch Kapitalisierung des nachhaltigen, bereinigten Reingewinns abgeleitet. Die Verlässlichkeit dieser Zahl ist entscheidend. Das Kreisschreiben 28 stipuliert, dass der Ertragswert auf dem Durchschnitt der letzten zwei oder drei Geschäftsjahre basieren soll, bereinigt um einmalige Posten. Der Kapitalisierungssatz ist kritisch. Für Steuerzwecke (KS 28) veröffentlicht die ESTV einen jährlichen Satz (z.B. 8.75% für 2024). In kommerziellen Transaktionen ist dieser Satz jedoch oft höher (10%-15%), um Illiquidität und operative Risiken widerzuspiegeln. * $SW$ (Substanzwert): Repräsentiert die Substanz des Unternehmens – das Eigenkapital zum Marktwert. Dies erfordert die Identifikation und Bewertung stiller Reserven (Immobilien, Maschinen, Lager), die aufgrund der vorsichtigen Schweizer Buchführung (OR) entstehen. #### Die Strategische Divergenz: Steuer vs. Kommerz Eine kritische Erkenntnis für den Inhaber ist die Diskrepanz zwischen Steuerwert (Vermögenssteuer) und Marktwert (Exit-Preis). Die Steuerbehörden wenden die Methode strikt auf unbereinigte Konten an. Im Verkaufsfall müssen wir die Steueroptimierung 'rückabwickeln' und den Ertragswert mit einem normalisierten EBITDA neu berechnen.

Begründung & Kontext

Das 'Banker-Geheimnis' ist das Gap-Management zwischen Ihrer steuerlichen Bewertung und Ihrem Exit-Preis. Ihr Treuhänder hat Jahre damit verbracht, Ihren Gewinn zu minimieren, um Steuern zu sparen, was effektiv den 'Ertragswert' drückt. Beim Verkauf werden Käufer diese Steuererklärungen gegen Sie verwenden. Optimierungsstrategie: Zwei Jahre vor dem Exit müssen Sie von 'Steuerminimierung' auf 'Bewertungsmaximierung' umschalten. Stoppen Sie sofort die Verbuchung von Investitionen als Aufwand. Normalisieren Sie die Bilanz. Wir sehen oft Eigentümer, die Millionen liegen lassen, weil sie nicht beweisen können, dass der 'tiefe Gewinn' in Wirklichkeit ein 'hoher Gewinn' ist, der durch aggressive Rückstellungen maskiert wurde.
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Rechtliche Grundlagen

  • § Praktikermethode / KS 28 / ESTV Richtlinien

Strategische Bewertung

Stille Reserven aufdecken und wahren Exit-Wert berechnen.

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