1.0Marktüberblick
- CHF ~3 Mrd.
- Indikativer Branchenumsatz. Für den Schweizer Druckmarkt wird keine offizielle Reihe publiziert; die Zahl ist daher eine Schätzung. Verifizierbarer Anker ist die NOGA-Abteilung 18 (Herstellung von Druckerzeugnissen, Vervielfältigung von bespielten Ton-, Bild- und Datenträgern) mit 1 710 Arbeitsstätten und 13 078 Beschäftigten gemäss BFS STATENT 2024. Frühere Schätzungen von CHF 4,5 Milliarden stammen aus der Zeit vor der heute im Register sichtbaren Schrumpfung.
- 1 710
- Arbeitsstätten der NOGA-Abteilung 18, BFS STATENT 2024, publiziert am 20. August 2026. Gegenüber 2 529 im Jahr 2012 ein Rückgang von 32,4% und gegenüber 1 846 im Jahr 2022 nochmals 7,4% — die Schrumpfung hat den Boden nicht erreicht.
- 13 078
- Beschäftigte in NOGA 18 (11 209 Vollzeitäquivalente), BFS STATENT 2024. Die Beschäftigung ist gegenüber 23 816 im Jahr 2012 um 45,1% gefallen — der stärkste Rückgang aller Schweizer Industrieabteilungen; 10,9 Punkte davon entfielen allein auf die zwei Jahre seit 2022.
- ~15%
- Geschätzter Auslandanteil, überwiegend in den DACH-Raum. Akzidenzdruck ist standortgebunden — Nähe, Durchlaufzeit und Sprache binden ihn an den Binnenmarkt. Wirklich exportfähig sind Verpackung, Etiketten und der Sicherheitsdruck, wo Orell Füssli Banknoten produziert.
- -5.6%
- Annualisierter Beschäftigungsrückgang in NOGA 18 zwischen STATENT 2022 und 2024 (14 685 auf 13 078 Beschäftigte, -10,9% in zwei Jahren). Der Frühindikator ist schlechter: Swissmem weist für Druckmaschinen ein Exportminus von 20,4% im H1 2026 aus, die schwächste Linie aller Teilbranchen der Tech-Industrie — Druckereien investieren nicht nach.
2.0Branchenüberblick
Die Schweizer Druck- und Grafikbranche ist die am stärksten schrumpfende Abteilung der Schweizer Industrie. Das BFS STATENT 2024, publiziert am 20. August 2026, zählt 1 710 Arbeitsstätten der NOGA-Abteilung 18 mit 13 078 Beschäftigten (11 209 Vollzeitäquivalente). Seit 2012 hat die Abteilung 32,4% ihrer Arbeitsstätten und 45,1% ihrer Stellen verloren — die Beschäftigung hat sich nahezu halbiert. Und der Rückgang ist nicht vorbei: Allein zwischen 2022 und 2024 sanken die Arbeitsstätten um 7,4% und die Beschäftigung um 10,9%.
3.0Branchen-Check (SWOT)
- Verpackung, Etiketten, Pharma-Beipackzettel und Sicherheitsdruck bleiben strukturell intakt und sind von der digitalen Substitution im Akzidenzdruck weitgehend abgeschirmt
- Die Beschäftigung in NOGA 18 ist seit 2012 um 45,1% gefallen — der stärkste Rückgang aller Schweizer Industrieabteilungen, und er beschleunigt sich weiter
- Repositionierung vom Akzidenzdruck in Verpackung, Etiketten und regulierten Druck — das Modell Schelling AG —, wo die Nachfrage an physischen Gütern und nicht an Medienbudgets hängt
- Anhaltende Substitution von Druck durch digitale Kanäle, die Nachfrage nicht zum Wettbewerber verschiebt, sondern entfernt
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8.0Regionale Cluster
Region Zürich
Grösste Konzentration von Druckbetrieben der Schweiz. Sitz von Orell Füssli (Sicherheitsdruck), zahlreichen Akzidenzdruckern und Nähe zu Medien-/Werbeagenturen. Swissprinters (Zofingen) und grosse Weiterverarbeitungsbetriebe hier angesiedelt.
Region Bern
Zweitgrösster Hub. Stämpfli AG (seit 1799), Benteli Hallwag, Ast & Fischer, Vögeli AG. Starke Nachfrage durch Regierung und Institutionen (Bundesverwaltung). Tradition im Verlagswesen und hochwertiger Buchproduktion.
Region Basel
Cluster für Pharmaverpackung und Spezialdruck. Birkhäuser+GBC, Nähe zu Novartis und Roche schafft Nachfrage nach Pharmaverpackungen und reguliertem Druck. Grenzüberschreitende Synergien mit deutscher und französischer Druckindustrie.
Westschweiz
Französischsprachiger Druckmarkt. Courvoisier Arts Graphiques (La Chaux-de-Fonds), Luxusmarken- und Uhrenverpackungsdruck. Bedient Westschweizer Firmenkunden und grenzüberschreitende französische Märkte.
Zentralschweiz
Aufstrebendes Cluster für Etiketten- und Verpackungsdruck. Multicolor Print (Baar) führend im Etikettendruck. Wachsender Hub für Flexibelverpackungen dank zentraler Lage und Logistikvorteilen.
Quellen
9.0Häufig gestellte Fragen
▶Was ist ein Druckerei & Grafische Industrie-Unternehmen in der Schweiz wert?
Ein durchschnittliches Schweizer Druckerei & Grafische Industrie-Unternehmen wird mit 2.5 - 3.5× EBITDA bei der steuerlichen Bewertung und 3.0 - 5.0× EBITDA bei tatsächlichen Transaktionen bewertet. Die Differenz zwischen steuerlichen und Deal-Multiplikatoren stellt eine wesentliche Arbitrage-Möglichkeit für informierte Käufer dar. Der aktuelle Markttrend ist sinkend, mit einer als niedrig bewerteten Arbitrage-Spanne. Die tatsächliche Bewertung hängt stark von wiederkehrenden Umsätzen, Kundendiversifikation, Führungstiefe und Anlagenmodernität ab.
▶Welche Faktoren beeinflussen die Bewertung eines Druckerei & Grafische Industrie-Unternehmens?
Zu den wichtigsten Bewertungstreibern zählen: Verpackung, Etiketten, Pharma-Beipackzettel und Sicherheitsdruck bleiben strukturell intakt und sind von der digitalen Substitution im Akzidenzdruck weitgehend abgeschirmt; Die Banknotenproduktion von Orell Füssli ist eine tatsächlich nicht substituierbare Schweizer Fähigkeit mit regulierter, langzyklischer Nachfrage. Bewertungsmindernd wirken: Die Beschäftigung in NOGA 18 ist seit 2012 um 45,1% gefallen — der stärkste Rückgang aller Schweizer Industrieabteilungen, und er beschleunigt sich weiter; Typische EBITDA-Margen um 4% lassen praktisch keinen Puffer für eine Papierpreisbewegung oder einen verlorenen Kunden. Deal-Multiplikatoren liegen typischerweise bei 3.0 - 5.0× EBITDA, die tatsächlichen Preise variieren jedoch deutlich je nach Kundenkonzentration, Managementqualität, Umsatzstabilität und geografischer Reichweite in den 26 Schweizer Kantonen.
▶Wie viele Druckerei & Grafische Industrie-Unternehmen gibt es in der Schweiz?
Die Schweiz zählt 1 710 Arbeitsstätten im Druck- und Grafikgewerbe, gemäss BFS STATENT 2024 (NOGA-Abteilung 18, Herstellung von Druckerzeugnissen, Vervielfältigung von bespielten Ton-, Bild- und Datenträgern), publiziert am 20. August 2026. Sie beschäftigen 13 078 Personen beziehungsweise 11 209 Vollzeitäquivalente. Gegenüber 2 529 Arbeitsstätten im Jahr 2012 ist das ein Rückgang von 32,4% und gegenüber 1 846 im Jahr 2022 nochmals 7,4% — die Schrumpfung hat den Boden nicht erreicht. Die Beschäftigung fiel noch schneller, um 45,1% von 23 816 im Jahr 2012, der stärkste Rückgang aller Schweizer Industrieabteilungen.
▶Wie sieht die Nachfolgesituation im Schweizer Druckerei & Grafische Industrie-Sektor aus?
Die Nachfolge im Schweizer Druck ist kein demografisches Problem, das sich auf ein gesundes Geschäft legt — es legt sich auf ein schrumpfendes. Das BFS STATENT 2024 zählt 1 710 Arbeitsstätten in der NOGA-Abteilung 18 gegenüber 2 529 im Jahr 2012, bei einem Beschäftigungsrückgang von 45,1% im selben Zeitraum. Die meisten verbliebenen Betriebe sind inhabergeführte Häuser, deren Eigentümer eine Maschine in einem Markt gekauft oder geerbt haben, den es in dieser Grösse nicht mehr gibt. Das verändert die Form der Transaktion. In einer wachsenden Branche lautet die Nachfolgefrage, wer übernimmt; hier lautet sie oft, ob überhaupt eine Übergabe stattfindet oder ob der Betrieb schlicht abgewickelt und sein Kundenstamm von einem Wettbewerber aufgenommen wird. Der realistische Käufer ist meist eine regionale Druckerei, die Kapazität auslasten will, und kein Finanzinvestor — das begrenzt den Preis, macht Transaktionen für integrationsfähige Betreiber aber durchführbar. Transaktionsmultiplikatoren liegen in der Branche typischerweise bei 3.0 - 5.0× EBITDA.
▶Was sind die wichtigsten Markttrends im Schweizer Druckerei & Grafische Industrie-Sektor?
Sechs Trends prägen den Sektor 2026: (1) Struktureller Rückgang, weiterhin beschleunigend — Die NOGA 18 hat seit 2012 45,1% ihrer Beschäftigung und 32,4% ihrer Arbeitsstätten verloren — der stärkste Rückgang aller Schweizer Industrieabteilungen. (2) Die Schliessung des Flaggschiffs — Die Swissprinters AG in Zofingen, im gemeinsamen Besitz von Ringier und NZZ und hervorgegangen aus vier traditionsreichen Häusern, deren ältestes auf Zollikofer 1789 zurückgeht, stellte den Druckbetrieb Ende September 2024 ein. 144 Vollzeitstellen gingen verloren. (3) Druckereien rüsten nicht nach — Swissmem weist für Druckmaschinen ein Exportminus von 20,4% im ersten Halbjahr 2026 aus, die schwächste Linie aller Teilbranchen der Tech-Industrie. (4) Verpackung und regulierter Druck sind eine andere Branche — Verpackung, Etiketten, Pharma-Beipackzettel und Sicherheitsdruck folgen physischen Warenmengen, nicht Medienbudgets, und sind nicht zurückgegangen. (5) Konsolidierung und Ausstiegswelle — Mit noch 1 710 Arbeitsstätten und Margen nahe 4% des Umsatzes steht den meisten Eigentümern ein Markt gegenüber, in dem der realistische Käufer ein regionaler Wettbewerber ist, der eine Maschine auslasten will, und kein Finanzinvestor. (6) Digitaldruck verändert die Ökonomie der Kleinauflage — Digital- und Inkjet-Produktion haben Kleinauflagen sowie versionierten und personalisierten Druck in Mengen profitabel gemacht, die der Offset nicht bedienen kann — der einzige echte Wachstumsvektor innerhalb des Akzidenzdrucks.
▶Was sind die Hauptrisiken beim Kauf eines Druckerei & Grafische Industrie-Unternehmens?
Die wichtigsten Akquisitionsrisiken sind: (1) Anhaltende Substitution von Druck durch digitale Kanäle, die Nachfrage nicht zum Wettbewerber verschiebt, sondern entfernt; (2) Swissmem weist für Druckmaschinen ein Exportminus von 20,4% im H1 2026 aus — ein Frühindikator dafür, dass der installierte Bestand nicht erneuert wird; (3) Schliessungsrisiko in der Grösse: Die Swissprinters AG im gemeinsamen Besitz von Ringier und NZZ stellte den Druckbetrieb im September 2024 ein, 144 Vollzeitstellen gingen verloren. Käufer sollten Kundenkonzentration, regulatorische Compliance und Schlüsselpersonen-Abhängigkeiten sorgfältig prüfen. Deal-Multiplikatoren von 3.0 - 5.0× EBITDA können bei erhöhtem Risikoprofil abschlägig ausfallen.
▶Wie sieht die typische Kostenstruktur von Schweizer Druckerei & Grafische Industrie-Unternehmen aus?
Die typische Kostenaufschlüsselung eines Schweizer Druckerei & Grafische Industrie-Unternehmens ist: Papier & Bedruckstoffe: 30%, Personalkosten: 35%, Anlagenabschreibungen & Leasing: 12%, Farbe, Platten & Verbrauchsmaterial: 8%, Energie- & Gebäudekosten: 6%, Sonstige Betriebskosten: 5%, Gewinnmarge (EBITDA): 4%. Das strukturelle Problem zeigt sich im Ergebnis: Eine EBITDA-Marge von rund 4% des Umsatzes lässt praktisch keinen Puffer für eine Papierpreisbewegung, einen verlorenen Kunden oder eine stillstehende Schicht. Papier und Bedruckstoffe plus Personal machen rund zwei Drittel der Kostenbasis aus, und beides passt sich bei sinkendem Volumen nicht schnell an. Die Abschreibung auf Anlagen ist die Falle — Maschinen schreiben ab, ob sie laufen oder nicht, und bei einer Offset-Auslastung nahe 68% verteilen sich diese Fixkosten auf immer weniger Arbeit. Deutlich über diesem Profil verdienen jene Betriebe, deren Umsatz in Verpackung, Etiketten oder reguliertem Druck verankert ist statt im Akzidenzgeschäft. Diese Benchmarks sind wichtig für Käufer zur Beurteilung der operativen Effizienz und des Margensteigerungspotentials nach der Übernahme.
▶Welche Regionen sind die wichtigsten Druckerei & Grafische Industrie-Cluster der Schweiz?
Die wichtigsten Druckerei & Grafische Industrie-Cluster der Schweiz sind: (1) Region Zürich (ZH, AG) — Grösste Konzentration von Druckbetrieben der Schweiz. Sitz von Orell Füssli (Sicherheitsdruck), zahlreichen Akzidenzdruckern und Nähe zu Medien-/Werbeagenturen. (2) Region Bern (BE) — Zweitgrösster Hub. Stämpfli AG (seit 1799), Benteli Hallwag, Ast & Fischer, Vögeli AG. (3) Region Basel (BL, BS) — Cluster für Pharmaverpackung und Spezialdruck. Birkhäuser+GBC, Nähe zu Novartis und Roche schafft Nachfrage nach Pharmaverpackungen und reguliertem Druck. (4) Westschweiz (NE, VD, GE) — Französischsprachiger Druckmarkt. Courvoisier Arts Graphiques (La Chaux-de-Fonds), Luxusmarken- und Uhrenverpackungsdruck. (5) Zentralschweiz (ZG, LU) — Aufstrebendes Cluster für Etiketten- und Verpackungsdruck. Multicolor Print (Baar) führend im Etikettendruck. Regionale Konzentration beeinflusst Bewertungen, da Unternehmen in etablierten Clustern von Zulieferer-Ökosystemen, spezialisierten Talentpools und Branchennetzwerken profitieren.