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Medienmitteilung

Schweizer Ausschreibungen ziehen mehr Wettbewerb an als die europäischen, doch die Hälfte des Geldes bleibt im eigenen Kanton

Neuchâtel, 26. September 2026 – Öffentliche Ausschreibungen in der Schweiz ziehen weit mehr Wettbewerb an als in der Europäischen Union, doch die Hälfte der kantonalen und kommunalen Aufträge geht an Firmen aus dem eigenen Kanton. Das zeigt die erste Auswertung aller Zuschläge, die seit Januar 2025 auf simap.ch veröffentlicht wurden, von Bund, Kantonen, Gemeinden und öffentlichen Unternehmen: 19'710 Zuschläge über 47,3 Milliarden Franken.

  • Wettbewerb: 9,9% der offenen Ausschreibungen erhielten nur ein Angebot; der Europäische Rechnungshof mass 2021 in der EU 41,8%. Ausnahmen sind Neuenburg (19,8%) und die Bundesstellen (14,3%); Thurgau (5,1%) und Luzern (5,2%) haben die meisten Anbieter.
  • Heimvorteil: 51% der kantonalen und kommunalen Zuschläge gehen an eine Firma aus demselben Kanton, im Bau 61%. Das Tessin vergibt 70% im eigenen Kanton, Zug 23%.
  • Ohne Ausschreibung: 4,5 Milliarden Franken wurden freihändig vergeben, weil nur der bisherige Anbieter oder der Hersteller liefern konnte, darunter das Leitsystem der Lausanner Metro m2 (352 Millionen) und die Partnerschaft der SBB für Bahnleittechnik mit Siemens Mobility (280 Millionen). 16% der freihändigen Vergaben nennen keinen Grund.
  • Tempo und Zugang: Bis zum Zuschlag vergehen im Median 111 Tage, von 70 in Graubünden bis 152 in der Waadt. Firmen, die in den letzten fünf Jahren gegründet wurden, gewannen 2,8% des Auftragswerts.

«Beim Wettbewerb ist die Schweiz besser als ihr Ruf: Eine öffentliche Ausschreibung erhält in der Regel vier Angebote. Die Kosten liegen anderswo, bei Aufträgen, die im eigenen Kanton bleiben, und bei Systemen, die nur ihr Hersteller warten kann. Für einen Unternehmer ist ein Bestand an öffentlichen Aufträgen ein Nachweis der Wettbewerbsfähigkeit, aber auch eine Abhängigkeit, die ein Käufer aus einem anderen Kanton nicht erbt.»

Alain Walder, Gründer von ValIndex

Hintergrund

Der am 18. September 2026 veröffentlichte Beschaffungsbericht des Bundes deckt die Bundesverwaltung ab, rund 6,7 Milliarden Franken pro Jahr. Für Kantone und Gemeinden gibt es keinen vergleichbaren Bericht. Zuschläge aus offenen und selektiven Verfahren müssen auf simap.ch publiziert werden (Art. 48 IVöB/BöB), freihändige Vergaben nur im Staatsvertragsbereich; die publizierten Zahlen zu freihändigen Vergaben sind daher eine Untergrenze.

Zur vollständigen Studie mit Methodik und Daten →

Medienkontakt

Alain Walder
[email protected]

Über ValIndex

ValIndex erfasst Schweizer Privatunternehmen aus dem Handelsregister und dem Schweizerischen Handelsamtsblatt und veröffentlicht wöchentlich den Market Pulse zu Schweizer M&A- und Registeraktivität.